Dunkel
Tränen rinnen leise, sanft und heiß
meine Wangen hinunter und ich weiß
Ich habe verloren
Bilder verschwimmen, schmerzend und kalt
meine Augen(lider) zucken, in meinem Kopf hallt
der Schrei der Verzweiflung
Ich fühle Schmerzen, wohin die Gedanken auch gehen
ich kann Verlust vor mir sehen
eiskalt ist die Niederlage gegen Nichts
keine Wärme, kein Sieg des Lichts
Ich spüre tief in mir, ich werde nie mehr gewinnen
Ich spüre tief in mir Zorn, Wut und Zweifel mit allen Sinnen
Selbst wo einst Tränen waren
Kinder-Zeit
Miguel (quengelnd): Mama, sag mir, was ist Zeit?
Mama: Zeit ist nah und weit.
Zeit bleibt niemals stehen.
Aber es gibt Tage, da will sie nie vergehen.
Zeit gibt es eigentlich nicht.
Sie ist nicht so da, wie Wasser oder Licht.
Sie ist nur eine Illusion
Aber sogar du kennst sie schon.
Miguel: Mama, sag mir, was heißt: gleich
Mama (sarkastisch): Du bist ideenreich.
Miguel: Papa sagt gleich und vergisst drauf
Und wenn ich dann zur Omi lauf
sagt sie gleich und kommt sofort her!
Mama: Du bist nicht fair.
Omi hat Zeit und Papa nicht.
Miguel: Sieh es doch mal aus meiner Sicht!
Mama: Du willst immer alles sofort
und Omi folgt dir aufs Wort.
Miguel: Das ist aber gut so!
Mama: Sei einfach nur froh
über das, was sie macht!
Dass sie mit dir lacht,
dass sie Spiele erfindet,
deine Langeweile mindert…
Miguel: Ich bin froh!
Nur nicht so!
Papa braucht mehr Zeit für mich!
Und natürlich auch für dich!
Mama: Wie großzügig von dir.
Dann denk mal nach wie wir
den Papa aus der Werkstatt kriegen!
Ohne, dass wir hinausfliegen!
Miguel: Das ist leicht! Wir drehen seine Uhr nach vor!
Er wundert sich, wo er die Zeit verlor. (rennt in die Werkstatt)
(ärgerlich) Papa! Wir stellen deine Uhr jetzt um,
dann geht sie genau andersrum
und du musst Zeit haben für mich!
Papa (lacht): Die hab ich sicherlich!
Wenn du aufhörst zu fauchen.
Miguel: Wir machen jetzt alles, wozu wir dich brauchen!
Spielen, Klettern, Toben und Lachen!
Alles, was wir sonst ohne dich machen!
So laut! Nichts mehr verstehen werden eure Ohren!
Papa: Ja, ja lass mich nur noch das Loch fertig bohren
Ich komm gleich…
sinn
Kein Gedanke verschwendet, warum wir hier sind
Keine Idee erfunden, warum wir jetzt sind
Dein Name ist meiner
und mein Körper ist deiner
Ich schmecke deinen Schweiß
Ich rieche deine Haut
Ich höre dein Flüstern
Ich sehe in deinen Augen
die Wärme, die ich in mir fühle
Jetzt sind du und ich wir
Ist es Leben oder Sterben?
Ich weiß es nicht mehr
Ich habe keine Gefühle,
weil ich nur aus Gefühlen bestehe.
Ist Kälte Hitze?
Ist mir heiß, weil ich friere und schwitze?
Lebe ich, weil ich grad entsteh´?
Sterbe ich, weil ich untergeh´?
Was ich versäumt hab bei anderen
Was ich geträumt hab bei anderen
Was so normal ist bei dir
So neu, so wie immer
So gut und viel schlimmer
Wunderbar und einzig, grausam allein
Und so schön mit dir zusammen zu sein
Die Lebende
Die Augen geschlossen, blutverschmiert liegt sie da.
Sie weiß, dass es wahr ist, weiß, dass er noch da ist.
Auf den Lippen spürt sie noch seinen Kuss, und weiß, dass es wahr sein muss
Der Schmerz in ihrem Bauch wird stärker, ihr Herz wird schwer.
Sie wünscht sich ihr Kopf wäre leer, doch ihre Gedanken rasen, alles leere Phrasen,
die keinen Sinn ergeben würden, wenn sie ruhig wär´.
Sie weiß, sie darf nicht ausflippen. Wo ist er?
Sie öffnet die Augen: verflucht das Licht, verflucht das Stechen tief in sich,
verflucht das ganze Blut, ihren Mut, ihre Angst.
Ekel, voll Ekel dreht sie sich weg. Übergibt sich, verdammt: Hat er es gehört?
Spürt das Entsetzen, als sie sich erinnert: er schwört treu zu sein, sie nie zu verletzen.
So unendlich sarkastisch, tiefschwarz und fantastisch gespielt,
so unecht, so dumm war er und sie: hinter ihm her!
Sie wischt sich mit ihrem T-Shirt das Blut ab, sucht ihre Hose,
ihre Haare hängen lose ins Gesicht, sie blickt in den Spiegel und sieht sich nicht,
da ist nur er und seine Zerstörung, Hass und Wut, nur Böse, kein Gut
Sie zieht ihre Hose an, überall Schmerzen, blaue Flecken und rotes Blut,
Aus Himmel wurde Hölle, aber hey!, so ist das Leben!
Sie hebt ihre Jacke vom Boden auf, zieht sie an, fast wie Sicherheit.
Ein Geräusch, oh Gott!, in die Küche ist es nicht mehr weit,
und dann durch die Tür, dann geht’s schon, alles wird gut, gleich ist es vorbei.
Auf dem Boden liegt er, am Bauch, neben dem Tisch.
Ein Messer, so geht’s auch.
Sie dreht ihn um, nimmt das Messer, selbst von Wasser wäre er nicht nässer:
Seine Samen auf ihr, doch ihr Blut auf seinem Körper.
Sie wird wütend und traurig, weiß nicht mehr, was sie tun soll,
aber dann wacht er auf. Grinst und lallt, bis sie ihre Fäuste ballt.
Sie sticht zu, immer weiter, immer wieder
Sie schaut zu, wie er stirbt, aber merkt’s nicht
Ihre Tränen vermischen sich mit seinem Blut, und dann geht’s ihr wieder gut!
Sie lacht, immer weiter, immer wieder
Sie geht, aus der Wohnung, in die Freiheit
Sie fühlt, das ist Sicherheit
Sie merkt, das ist Frieden
Sie lebt, immer weiter, immer wieder